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Dohle GR et al.  
EAU-Leitlinie Männlicher Hypogonadismus

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2018; 15 (2): 71-88

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Keywords: AndrogenmangelMännlicher HypogonadismusTestosteronbehandlungTestosteronspiegel

EAU-Leitlinie Männlicher Hypogonadismus*#

G. R. Dohle1 (Vorsitzender), S. Arver2, C. Bettocchi3, T. H. Jones4, S. Kliesch5

Eingegangen und angenommen am 24. Januar 2018

*Übersetzt mit freundlicher Genehmigung der EAU nach: dies., Guidelines on Male Hypogonadism, ©European Association of Urology 2017, von Ingrid Rambow und Sabine Kliesch im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Andrologie e. V.

#Anmerkung der Redaktion: Im JRE publizierte Leitlinien einer Gesellschaft stellen nicht automatisch die Auffassung aller Organgesellschaften des JRE dar.

Aus: 1Andrologische Abteilung, Klinik für Urologie, Erasmus MC, Rotterdam, Niederlande; 2Zentrum für Andrologie und Sexualmedizin, Karolinska-Universität und -Krankenhaus, Huddinge, Stockholm, Schweden; 3Universität Bari, Klinik für Notfälle und Organtransplantationen, Abteilung für Urologie, Andrologie und Nierentransplantation, Bari, Italien; 4Barnsley Hospital NHS FT, UK; 5Abteilung für Klinische und Operative Andrologie, Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Universitätsklinikum Münster

Korrespondenzadresse: Univ.-Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Abteilung für Klinische Andrologie und Operative Andrologie, Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, Geb. D11, D-48149 Münster, Domagkstraße 11; E-Mail: sabine.kliesch@ukmuenster.de

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung

Androgene spielen eine wesentliche Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung der männlichen reproduktiven und sexuellen Funktionen, der Körperzusammensetzung, der Erythropoese, der Muskel- und Knochengesundheit und der kognitiven Funktionen. Niedrige Spiegel der zirkulierenden Androgene in utero können Störungen in der männlichen Geschlechtsentwicklung verursachen, die in angeborenen Anomalien des männlichen Reproduktionstraktes wie testikulärer Dysfunktion, Hodenhochstand und Hypospadien resultieren. Im späteren Leben kann dies zu einer verminderten männlichen Fertilität, sexueller Dysfunktion, verminderter Muskelbildung und Knochenmineralisierung, Störungen des Fettmetabolismus und kognitiver Dysfunktion führen und zur Entwicklung von Hodentumoren beitragen. Geringfügig sinkende Testosteronspiegel gehören zum Alterungsprozess; Risikofaktoren für die Entwicklung eines Altershypogonadismus sind: Übergewicht, chronische Erkrankungen und ein schlechter Allgemeinzustand. Symptomatische hypogonadale Patienten können von einer Testosteronbehandlung profitieren. Das vorliegende Dokument präsentiert die Leitlinie der Europäischen Urologievereinigung (European Association of Urology, EAU) für die Diagnostik und Behandlung des männlichen Hypogonadismus und zielt darauf ab, praktische Empfehlungen zum Umgang mit den primären und sekundären Formen des Hypogonadismus, der altersbezogenen Testosteronabnahme bei Männern sowie zur Behandlung von Testosteronmangelzuständen zu geben.

Es ist zu betonen, dass klinische Leitlinien die beste den Experten zugängliche Evidenz darstellen. Den Leitlinien zu folgen, wird jedoch nicht unbedingt zum besten Ergebnis führen. Leitlinien können niemals klinische Expertisen ersetzen, wenn es darum geht, Behandlungsentscheidungen für individuelle Pa­tienten zu treffen; vielmehr helfen sie dabei, Entscheidungen zu fokussieren – unter Berücksichtigung persönlicher Werte und Präferenzen bzw. individueller Verhältnisse der Patienten. Leitlinien sind nicht bindend und geben nicht vor – und sollten dies auch nicht –, rechtsbindender Behandlungsstandard zu sein.

1.2 Publikationsgeschichte

Die vorliegende Leitlinie ist Ergebnis einer Reihe von Revisio­nen der ersten Ausgabe der EAU-Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus aus dem Jahre 2012.

1.3 Verfügbare Veröffentlichungen

Eine Schnellübersicht (Taschenleitlinie), die die wesentlichen Ergebnisse der Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus präsentiert, ist sowohl als gedruckte Version als auch in einer Vielzahl von Versionen für mobile Endgeräte verfügbar. Es handelt sich dabei um gekürzte Versionen, die ein Nachschlagen zusammen mit der Volltextversion erfordern können. Das gesamte verfügbare Material kann auf der EAU-Website für den persönlichen Gebrauch eingesehen und heruntergeladen werden. Die EAU-Website umfasst außerdem eine Auswahl von EAU-Leitlinienartikeln sowie Übersetzungen durch natio­nale urologische Fachgesellschaften: http://www.uroweb.org/­guidelines/online-guidelines/.

1.4 Zusammensetzung des Expertenkomitees

Das EAU-Expertenkomitee zum männlichen Hypogonadismus setzt sich aus einer multidisziplinären Gruppe von Experten zusammen, die aus andrologisch spezialisierten Urologen und Endokrinologen besteht.

2. Methodik

2.1 Einleitung

Die in diesem Text verwendeten Literaturangaben werden hinsichtlich ihrer Evidenzklasse (Level of Evidence, LE) eingeschätzt. Leitlinien erhalten einen Empfehlungsgrad (Grade of Recommendation, GR) entsprechend eines modifizierten Klassifikationssystems des „Oxford Centre for Evidence-based Medicine Levels of Evidence“ [1]. Weitergehende Informatio­nen zur Methodik sind im allgemeinen Methodik-Abschnitt dieses Druckwerkes und online auf der EAU-Webseite:
http://www.uroweb.org/guideline/ zu finden. Eine Liste der Vereinigungen, die die EAU-Leitlinien empfehlen, kann ebenfalls unter der o. g. Webadresse eingesehen werden.

Die Empfehlungen der vorliegenden Leitlinie basieren auf ­einer systematischen Literaturrecherche und Begutachtung durch die Mitglieder des Expertenkomitees im Jahre 2016. MedLine, Embase und die Cochrane-Datenbanken wurden zwecks Ermittlung von Original- und Übersichtsartikeln durchsucht. Das kontrollierte Vokabular der Medical Subject Headings- (MeSH-) Datenbank wurde neben einem „Freitext-Protokoll“ eingesetzt, welches „male hypogonadism“ mit den Begriffen „diagnosis“, „epidemiology“, „investigations“, „treatment“, „testosterone“, „androgens“ und „hypogonadism“ kombinierte.

Für die Aktualisierung 2017 wurde eine Rahmensuche durchgeführt, welche alle Bereiche der Leitlinie und die Suchbegriffe „hypogonadism“, „eugonadal or hypogonadism or hypogonadal oder gonadal“ und „low or lower testosterone“ für den Zeitraum 2011 bis zum Stichtag April 2016 umfasste. Embase, Medline und die Datenbanken des Cochrane Central Register of Controlled Trials wurden durchsucht, wobei die Suche auf Übersichtsarbeiten, Meta-Analysen oder die Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien beschränkt war. Insgesamt 2252 eindeutige Treffer wurden identifiziert, herausgesucht und nach ihrer Relevanz gefiltert; hiervon wurden 51 Publikationen ausgewählt und einbezogen. Eine detaillierte Suchstrategie ist online verfügbar:
http://www.uroweb.org/­guideline/male-hypogonadism/.

2.2 Begutachtung durch Fachkollegen

Das aktuelle Dokument wurde vor seiner Veröffentlichung 2015 einer Begutachtung durch Fachkollegen (peer-review) unterzogen.

2.3 Zukünftige Ziele

Die Ergebnisse laufender und neuer systematischer Übersichtsarbeiten werden in der Aktualisierung der Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus von 2018 eingeschlossen. Laufende systematische Übersichtsarbeiten sind:

Welches sind die Risiken für größere kardiovaskuläre Ereignisse durch die Testosteronersatztherapie (testosterone replacement therapy, TRT)? [2].

Welches sind Nutzen und Schaden einer Testosteronbehandlung für die männliche sexuelle Dysfunktion? [3].

3. Epidemiologie, Ätiologie und ­Pathologie

3.1 Epidemiologie

Definition: Der männliche Hypogonadismus ist ein durch Androgenmangel verursachtes klinisches Syndrom, welches verschiedene Organfunktionen und die Lebensqualität negativ beeinflussen kann [4]. Die Diagnose eines männlichen Hypogonadismus muss sowohl anhaltende klinische Symptome als auch biochemische Evidenz eines Testosteronmangels umfassen.

Ein Androgenmangel nimmt auch bei gesunden Männern mit zunehmendem Alter allmählich zu [5, 6]. Bei mittelalten Männern variiert die Inzidenz eines biochemischen Hypogonadismus zwischen 2,1–12,8 % [7]. Die Inzidenz von niedrigem Testosteron und Symptomen eines Hypogonadismus liegt bei 40–79-jährigen Männern zwischen 2,1–5,7 % [6, 7]. Die Prävalenz eines Hypogonadismus ist höher bei älteren oder übergewichtigen Männern sowie bei Männern mit Komorbiditäten oder mit einem schlechten Gesundheitszustand.

3.1.1 Rolle des Testosterons für die männliche reproduktive Gesundheit

Die Androgene, die im Hoden und den Nebennieren produziert werden, spielen in der männlichen reproduktiven und sexuellen Funktion eine zentrale Rolle. Androgene sind wesentlich für die Entwicklung der männlichen reproduktiven Organe, wie Nebenhoden, Vas deferens, Samenblase, Prostata und Penis. Zudem werden Androgene für Pubertät, männliche Fertilität, männliche Sexualfunktion, Muskelbildung, Körperzusammensetzung, Knochenmineralisierung, Fettstoffwechsel und kognitive Funktionen benötigt [8].

3.2 Physiologie

Die männliche Sexualentwicklung beginnt zwischen der 7. und 12. Schwangerschaftswoche. Die undifferenzierten Gonaden entwickeln sich durch die Expression mehrerer Gene, darunter die Sex-determinierende Region des Y-Chromosoms (SRY-Genkomplex) und die SOX-Gene, zu einem fetalen Hoden [9]. Der fetale Hoden produziert 3 Hormone: Testosteron, Insulin-ähnlicher Faktor 3 (INSL3) und Anti-Müller-Hormon (AMH). Testosteron wird für die Ausdifferenzierung der Wolff-Gänge mit Bildung von Nebenhoden, Vas deferens und Samenblase benötigt. Die Wirkung des Anti-Müller-Hormons führt zu einer Rückbildung der Müller-Gänge (Abb. 1), INSL3, AMH und Testosteron regulieren den Hodendeszensus.

Unter dem Einfluss des intratestikulären Testosterons steigt die Zahl der Gonozyten pro Tubulus während der fetalen Phase um das Dreifache [10]. Zusätzlich wird Testosteron für die Entwicklung von Prostata, Penis und Skrotum benötigt. In diesen Organen wird das Testosteron jedoch durch das Enzym 5?-Reduktase in den potenteren Metaboliten 5?-Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Testosteron und DHT, die beide den Androgenrezeptor aktivieren, sind erforderlich für das Peniswachstum [11].

Das intratestikuläre Testosteron wird benötigt, um den Prozess der Spermatogenese aufrechtzuerhalten und die Keimzell­apoptose zu hemmen [12]. Die Samenkanälchen der Hoden sind Testosteronkonzentrationen ausgesetzt, die 25–100-mal höher liegen als die zirkulierenden Spiegel. Die Suppression der Gonadotropine (z. B. durch exzessiven Testosteronmissbrauch) resultiert in einer verminderten Spermienzahl im Ejakulat und einer Hypospermatogenese [13]. Die komplette Inhibition des intratestikulären Testosterons führt zu einem völligen Erliegen der Meiose bis zur Ebene der runden Spermatiden [14, 15].

Testosteron scheint nicht direkt auf die Keimzellen zu wirken, agiert aber über die Sertoli-Zellen durch die Androgenrezeptor- (AR-) Expression und Beeinflussung der Mikroumgebung der Samenkanälchen [15]. Testosteron kann ferner durch die Aromatase, die in Fettgewebe, Prostata, Hoden und Knochen vorhanden ist, in Östradiol verstoffwechselt werden. Östradiol ist auch bei Männern wichtig für die Knochenmineralisierung [16]. Die Testosteronproduktion wird beim Fötus durch das plazentare Choriongonadotropin (hCG) und nach der Geburt durch das luteinisierende Hormon (LH) aus der Hypophyse kontrolliert. Direkt nach der Geburt erreichen die Serum-Testosteronspiegel über einige Monate hinweg die Konzentration Erwachsener (Minipubertät). Danach und bis zur Pubertät sind die Testosteronspiegel niedrig, sodass eine Virilisierung des Jungen verhindert wird. Die Pubertät beginnt mit der Gonadotropinproduktion, welche durch die Sekretion von Gonadotropin-releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus initiiert wird und zur Testosteronproduktion sowie zur Ausbildung der männlichen Sexualmerkmale und der Spermatogenese führt [17]. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des männlichen reproduktiven Systems.

3.2.1 Der Androgenrezeptor

Testosteron übt seine Wirkung durch den Androgenrezeptor (AR) aus, der im Zytoplasma und Nukleus der Zielzellen lokalisiert ist. Während der fetalen Phase steigert das Testosteron die Zahl der AR durch die Erhöhung der Anzahl AR-haltiger Zellen, aber auch durch die Erhöhung der AR-Zahl in jeder einzelnen Zelle [11, 16]. Das AR-Gen ist lokalisiert auf dem X-Chromosom (Xq 11-12): Defekte und Mutationen im AR-Gen können in einer männlichen sexuellen Fehlentwicklung resultieren, die eine testikuläre Feminisierung oder eine geringe Virilisierung verursachen (d. h. Störungen der Geschlechtsentwicklung; disorder of sexual development [DSD]). Weniger schwere Mutationen im AR-Gen können milde Formen einer Androgenresistenz und männliche Infertilität verursachen [18]. In Exon 1 des Gens besteht die Transaktivierungsdomäne aus einem Trinukleotidbereich (Cytosin-Adenin-Guanin [CAG-Repeats]) variabler Länge. Die Androgensensitivität kann durch die Länge der CAG-Repeats in Exon 1 des AR-Gens beeinflusst werden [18]. Kürzere Repeats wurden mit einem erhöhten Risiko für Prostataerkrankungen und längere Repeats mit einer verminderten Androgenwirkung in verschiedenen Geweben in Zusammenhang gebracht [19]. Die Zahl der CAG-Repeats kann androgene phänotypische Effekte beeinflussen, sogar im Falle normaler Testosteronspiegel [20].

Zusammenfasssung der Evidenz

Testosteron ist wesentlich für die normale männliche Entwicklung.

3.3 Ätiologie

Ein Hypogonadismus resultiert aus einem Versagen des Hodens oder ist zurückzuführen auf die Störung einer oder mehrerer Ebenen der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse (Abb. 2).

Der männliche Hypogonadismus kann entsprechend der Störungen auf folgenden Ebenen klassifiziert werden:

  • Hoden (primärer Hypogonadismus);
  • Hypothalamus und Hypophyse (sekundärer Hypogonadismus);
  • Hypothalamus/Hypophyse und Gonaden (häufig beim Altershypogonadismus);
  • Androgenzielorgane (Androgeninsensitivität/-resistenz).

3.4 Klassifikation

3.4.1 Männlicher Hypogonadismus testikulären Ursprungs (primärer Hypogonadismus)

Primäres testikuläres Versagen ist die häufigste Ursache eines Hypogonadismus und führt zu niedrigen Testosteronspiegeln, einer Beeinträchtigung der Spermatogenese und erhöhten Gonadotropinen (hohes LH und FSH). Die am weitesten verbreiteten klinischen Formen des primären Hypogonadismus sind das Klinefelter-Syndrom und Hodentumoren.

  • Das Klinefelter-Syndrom betrifft 0,2 % der männlichen Bevölkerung. Es ist die am weitesten verbreitete Form des männlichen Hypogonadismus und die häufigste numerische Chromosomenaberration, mit dem Chromosomensatz 47, XXY in 90 % der Fälle [21]. Es tritt aufgrund einer sog. non-disjunction während der väterlichen oder mütterlichen meiotischen Teilung der Keimzellen auf [22].
  • Hodentumoren sind die häufigste Krebsart bei jungen Männern nach der Pubertät. Risikofaktoren sind ein kontralateraler Keimzelltumor, Hodenhochstand, Gonadendysgenesie, Infertilität, Hodenatrophie und familiärer Keimzelltumor. Fünfundzwanzig Prozent der Männer mit Hodentumor entwickeln nach der Behandlung einen Testosteronmangel [23–25].

Die Hauptgründe für einen primären Hypogonadismus sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

3.4.2 Männlicher Hypogonadismus hypothalamisch-hypophysären Ursprungs (sekundärer Hypogonadismus)

Zentrale Defekte des Hypothalamus oder der Hypophyse verursachen ein sekundäres testikuläres Versagen. Die Identifizierung eines sekundären Hypogonadismus ist von klinischer Wichtigkeit, weil er Folge einer hypophysären Pathologie sein (einschließlich Prolaktinomen) und zur Infertilität führen kann, die durch hormonelle Stimulation bei den meisten Patienten mit sekundärem Hypogonadismus reversibel ist.

Die wichtigsten Formen des sekundären Hypogonadismus sind:

  • Hyperprolaktinämie (HP), verursacht durch Prolaktin-produzierende Hypophysenadenome (Prolaktinome) (Mikroprolaktinome mit einem Durchmesser < 10 mm vs. Makroprolaktinome) oder induziert durch Medikamente (durch dopaminantagonistische Wirkungen von Substanzen wie Phenothiazin, Imipramin, Risperidon und Metoclopramid); weitere Ursachen können chronisches Nierenversagen oder eine Hypothyreose sein. Die Testosteronspiegel können allerdings auch in Gegenwart eines Prolaktinoms normal sein [26].
  • Isolierter (früher idiopathischer) oder kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus (IHH, CHH).
  • Kallmann-Syndrom (hypogonadotroper Hypogonadismus mit Anosmie, genetisch determiniert, Prävalenz 1 von 10.000 Männern).

Diese Störungen sind charakterisiert durch eine gestörte hypothalamische Sekretion (niedrige Spiegel von Gonadatropin-releasing-Hormon [GnRH]) und/oder eine verminderte Gonadotropinsekretion (niedriges LH und FSH). Ein angeborener Fehler bei der Migration und der Ansiedlung GnRH-produzierender Neuronen führt zum Kallmann-Syndrom [27, 28]. Kardinalsymptom ist eine konstitutionelle Pubertätsverzögerung: Es ist die Hauptursache einer verzögerten Pubertät (Pubertas tarda) [29]. Andere seltene Formen eines sekundären Hypogonadismus sind in Tabelle 2 aufgeführt.

3.4.3 Männlicher Hypogonadismus aufgrund einer gemischten Dysfunktion von Hypothalamus/Hypophyse und Gonaden (Altershypogonadismus)

Ein gemischtes primäres und sekundäres testikuläres Versagen resultiert in niedrigen Testosteronspiegeln und variablen Gonadotropinspiegeln. Die Gonadotropinspiegel hängen vom dominierenden primären oder sekundären Versagen ab. Die Bezeichnungen „Late-onset“-Hypogonadismus und altersabhängiger Hypogonadismus umfassen ebenfalls diese beiden Formen des Hypogonadismus [30–32].

3.4.4 Männlicher Hypogonadismus aufgrund von Defekten androgener Zielorgane

Diese Formen repräsentieren im Wesentlichen seltene Defekte und werden im Rahmen dieser Leitlinie nicht im Detail diskutiert. Es gibt AR-Defekte mit komplettem, partiellem und minimalem Androgeninsensitivitäts-Syndrom; Reifenstein-Syndrom; bulbospinale Muskelatrophie (Kennedy-Syndrom); wie auch der 5?-Reduktasemangel (siehe Review Nieschlag et al. 2010) [33].

Die Klassifizierung des Hypogonadismus hat Auswirkungen auf die Therapie. Bei Patienten mit sekundärem Hypogonadismus kann eine hormonelle Stimulation mit hCG und FSH oder alternativ eine pulsatile GnRH-Behandlung in den meisten Fällen die Fertilität wiederherstellen [34, 35]. Eine eingehende Diagnostik kann beispielsweise Hypophysentumoren, eine systemische Erkrankung oder Hodentumoren aufdecken. Mischformen eines primären und sekundären Hypogonadismus können bei älteren, meistens übergewichtigen Männern beobachtet werden, mit einem begleitenden altersabhängigen Rückgang der Testosteronspiegel, die auf Störungen sowohl der testikulären als auch der hypothalamisch-hypophysären Funktionen zurückgehen.

Empfehlung

LE

GR

Die beiden Formen des Hypogonadismus
(primärer und sekundärer ­Hypogonadismus) müssen durch die Bestimmung des luteinisierenden und des follikelstimulierenden Hormons differenziert werden, da dies Folgen für die ­Bewertung und Behandlung des Patienten hat und es möglich macht, Patienten mit assozi­ierten gesundheitlichen Pro­blemen und Infertilität zu identifizieren.

1b

B

4. Diagnostik

Die Diagnose eines Hypogonadismus wird auf der Basis persistierender Anzeichen und Symptome, die einen Bezug zum Androgenmangel haben, sowie durch die Bestimmung konsistent niedriger Testosteronspiegel (bei mindestens 2 Untersuchungen) mittels einer zuverlässigen Methode gestellt [7, 37–40]. Dabei ist zu beachten, dass es einen nicht unwesentlichen Anteil von Männern gibt, die sich im Laufe der Zeit von einem sekundären Hypogonadismus erholen, was den Stellenwert einer Neubewertung deutlich macht, wenn eine Testosterontherapie bei Männern ohne definierte hypothalamische oder hypophysäre Erkrankung eingeleitet wurde [41].

4.1 Klinische Symptome und Labortests

Niedrige Spiegel zirkulierender Androgene können mit Anzeichen und Symptomen einhergehen (Tab. 3) [7, 42, 43].

Die am weitesten verbreiteten Symptome des männlichen Hypogonadismus bei alternden Männern sind eine Verringerung des Sexualverlangens und der sexuellen Aktivität, erektile Dysfunktion, Vitalitätsverlust und Stimmungsschwankungen [7, 43]. Weitere Faktoren, die mit einem niedrigen Testosteronspiegel assoziiert werden, sind Übergewicht und ein schlechter Allgemeinzustand [7]. Anzeichen und Symptome eines Androgenmangels variieren in Abhängigkeit vom Alter bei Krankheitsbeginn, Dauer und Schweregrad des Mangels. Die Referenzbereiche für den unteren normalen Testosteronspiegel (2,5 %) setzen sich aus 3 großen Stichproben aus der Allgemeinbevölkerung zusammen; diese legen einen Grenzwert von 12,1 nmol/L für das Gesamt-Serumtestosteron und 243 pmol/L für das freie Testosteron nahe, um zwischen normalen Spiegeln und solchen, die möglicherweise mit einem Mangel assoziiert sind, zu unterscheiden [44]. Symptome, die das Vorliegen ­eines Hypogonadismus vermuten lassen [7, 43], sind in Tabelle 3 zusammengefasst. Es muss jedoch angemerkt werden, dass diese Symptome auch bei Männern mit normalen Testosteronspiegeln vorliegen können und andere Ursachen als einen Androgenmangel haben können.

Bei Männern im Alter zwischen 40–79 Jahren lag der Schwellenwert für eine verminderte Häufigkeit sexueller Gedanken bei ­einem Gesamttestosteron von 8 nmol/L, für eine erektile Dysfunktion bei 8,5 nmol/L, für die verminderte Häufigkeit morgendlicher Erektionen bei 11 nmol/L und für eine verminderte Vitalität bei 13 nmol/L [45, 46]. Der aussagekräftigste Prädiktor für einen Hypogonadismus in dieser Altersgruppe waren 3 sexuelle Symptome (verminderte sexuelle Gedanken, schwächere Morgen­erektionen, erektile Dysfunktion) sowie entweder ein Gesamttestosteronspiegel von < 8 nmol/L oder Serum-Testosteron im Bereich von 8–11 nmol/L und freies Testosteron < 220 pmol/L. Diese Daten basieren auf Serumproben, die morgens abgenommen wurden, wenn bei jüngeren Männern die Durchschnittsspiegel am höchsten und am besten reproduzierbar sind [47].

Die Testosteron-Labortests sollten die Tagesschwankung des Testosterons berücksichtigen. In den meisten Fällen sind 2 morgendliche Proben (7.00–11.00 Uhr) ausreichend, sollten aber weitere Bewertungen nach sich ziehen, falls die Differenz > 20 % [48] beträgt. Sowohl Immunoassays als auch auf Massenspektrometrie basierende Assays können valide Ergebnisse erbringen, solange sie gut validiert sind. Die Bewertung sollte auf den Referenzbereichen für normale Männer beruhen, welche das messende Labor zur Verfügung stellt.

In Fällen mit einer Diskrepanz zwischen Testosteronspiegeln und Symptomen sollte der freie Testosteronspiegel (FT) analysiert werden. Für die Bestimmung der FT-Spiegel wird die Kalkulation des FT mit Hilfe des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) empfohlen.

Ein Hypogonadismus kann auch in einer eher subtilen Form auftreten und ist nicht immer anhand von niedrigen Testosteronspiegeln ersichtlich. Beispielsweise haben Männer mit primärer Hodenschädigung oft normale Testosteronspiegel, aber ein hohes LH. Dies kann als eine subklinische oder kompensierte Form des Hypogonadismus betrachtet werden. Die klinischen Konsequenzen einer isolierten LH-Erhöhung sind noch unklar, doch möglicherweise können diese Männer in der Zukunft hypogonadal werden.

Um zwischen den primären und sekundären Formen des Hypogonadismus zu unterscheiden und das Vorliegen eines Hypogonadismus beim erwachsenen Mann zu klären, ist die Bestimmung der LH-Serumspiegel erforderlich. Sowohl die LH- als auch die Testosteron-Serumspiegel sollten 2× innerhalb von 30 Tagen analysiert werden, vorzugsweise nüchtern [49].

4.2 Anamneseerhebung und Fragebögen

Symptome des Hypogonadismus sind in Tabelle 3 und 4 aufgelistet und sollten bei der Anamneseerhebung angesprochen werden. Ein früh einsetzender Hypogonadismus verursacht eine ausbleibende oder minimale Pubertätsentwicklung, eine ausbleibende Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale, möglicherweise eunuchoide Körperproportionen und eine hohe Stimme. Diese Anzeichen und Symptome weisen deutlich auf einen sekundären Hypogonadismus hin. Der Altershypogonadismus ist charakterisiert durch sexuelle Dysfunktion, Übergewicht und Vitalitätsverlust. Die publizierten Fragebögen sind unzuverlässig, haben eine geringe Spezifität und sind nicht effektiv zum Herausfiltern hypogonadaler Fälle [50–53]. Es ist wichtig, systemische Erkrankungen, Anzeichen von Fehlernährung und Malabsorption wie auch akute Erkrankungen zu identifizieren und auszuschließen. Pharmakologische Behandlungen mit Kortikosteroiden, Missbrauch von Drogen wie Marihuana, Opiaten und Alkohol und eine frühere Behandlung mit oder die Verwendung von Testosteron sowie der Missbrauch anaboler Steroide sollten ebenfalls bei der Anamneseerhebung Berücksichtigung finden [54, 55].

4.3 Körperliche Untersuchung

Body-mass-Index (BMI) und Taillen-Hüften-Verhältnis (oder Sagittal-Abdominal-Durchmesser) sollten bestimmt, die Untersuchung der Körperbehaarung, die Untersuchung auf androgenetische Alopezie, das Vorliegen einer Gynäkomastie sowie die Messung der Hodengröße (mit einem Orchidometer oder per Ultraschall [US]) und eine Untersuchung des Penis wie auch eine digitale Rektaluntersuchung (DRU) der Prostata sollten einbezogen werden.

4.4 Zusammenfasssung der Evidenz und ­Empfehlungen für die diagnostische Bewertung

Die Diagnose eines männlichen Hypogonadismus basiert auf Anzeichen und Symptomen eines Androgenmangels sowie durchgängig niedrigen Testosteronserumspiegeln.

Empfehlungen

LE

GR

Die Diagnose eines Testosteronmangels soll auf Männer mit persistierenden Symptomen, welche einen Hypogonadismus nahe legen, beschränkt sein (Tab. 3, 4).

3

C

Das Testosteron soll morgens vor 11.00 Uhr – vorzugsweise nüchtern – gemessen werden.

2

A

Das Gesamttestosteron soll an mindestens 2 Zeitpunkten mit einer zuverlässigen Methode bestimmt werden. Zusätzlich soll der freie Testosteronspiegel bestimmt werden bei Männern:

  • mit Gesamttestosteronspiegeln nahe dem unteren Normbereich (8–12 nmol/l), um die Aussagekraft der Laborbestimmung zu verstärken;
  • mit vermuteten oder bekannten anormalen SHBG-Spiegeln.

1

A

Die Testosteronbestimmung soll bei Männern mit einer Erkrankung oder Behandlung erfolgen, bei der ein Testosteronmangel typisch ist und eine Behandlung indiziert sein könnte.

Dies betrifft Männer mit:

  • sexueller Dysfunktion
  • Typ-2-Diabetes
  • metabolischem Syndrom
  • Übergewicht
  • Raumforderungen der Hypophyse, nach Radiatio im Bereich der Sellaregion und anderen Erkrankungen der Hypothalamus- und Sellaregion.
  • Behandlung mit Medikamenten, die eine Suppression der Testosteronspiegel verursachen – z. B. Kortikosteroide und Opiate
  • mittelgradiger bis schwerer chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung
  • Infertilität
  • Osteoporose oder Frakturen bei geringem Trauma
  • HIV-Infektion mit Sarkopenie

2

B

Die LH-Serumspiegel sollen analysiert ­werden, um zwischen primären und ­sekundären Formen des Hypogonadismus
zu differenzieren.

2

A

4.5 Klinische Auswirkungen des Hypogonadismus

Die klinischen Konsequenzen des Hypogonadismus ergeben sich aus dem Manifestationsalter und dem Schweregrad des Hypogonadismus.

4.5.1 Pränataler Androgenmangel

Während der ersten 14 Schwangerschaftswochen ist das Vorhandensein von Testosteron entscheidend für eine normale Virilisierung des männlichen äußeren Genitale. Androgenmangel oder Androgenresistenz aufgrund einer mangelhaften AR- oder LH-Rezeptorfunktion in diesem Lebensstadium können in einer anormalen Genitalentwicklung resultieren, die von einer Hypospadie bis hin zu einem weiblichem äußeren Genitale mit Abdominalhoden reichen. Häufig werden Patienten mit Störungen der sexuellen Entwicklung (DSD) wegen ihres deutlich anormalen äußeren Genitale in jungem Alter diagnostiziert. Es gibt jedoch auch Fälle, wo Patienten an beiden Enden des phänotypischen Spektrums die Kindheit unbemerkt durchlaufen und wegen einer verzögerten Pubertätsentwicklung während der Pubertät diagnostiziert werden.

4.5.2 Präpubertär einsetzender Androgenmangel

Bei Pubertätsbeginn führen steigende Gonadotropinspiegel zu einer Zunahme des Hodenvolumens und der Aktivierung von Spermatogenese und Testosteronsekretion. Während der Pubertät führen steigende Testosteronspiegel zur Entwicklung sekundärer männlicher Geschlechtsmerkmale, zu denen der Stimmbruch, die Entwicklung der sekundären Körperbehaarung, die Haarwuchsstimulation in geschlechtsspezifischen Bereichen, die Gesichtsbehaarung, Größenzunahme des Penis, Zunahme der Muskelmasse sowie Knochengröße und -masse, die Induktion des Wachstumsschubes und schließlich der Schluss der Epiphysenfugen gehören.

Zudem hat das Testosteron deutliche psychosexuelle Wirkungen, wie eine Zunahme der Libido. Eine verzögerte Pubertät wird definiert als fehlende Hodenvolumenzunahme im Alter von 14 Jahren [56]. Da dies eine „statistische“ Definition ist, die auf den Referenzbereichen für den Pubertätsbeginn in der normalen Bevölkerung basiert, weist eine Verzögerung der Pubertät nicht unbedingt auf das Vorliegen einer Erkrankung hin. In Fällen eines schwerwiegenden Androgenmangels ist das klinische Bild eines präpubertär einsetzenden Hypogonadismus offensichtlich (Tab. 4), und Diagnose und Behandlung sind recht unkompliziert. Die größere Herausforderung bei jungen Individuen mit Verdacht auf isolierten (kongenitalen) hypogonadotropen Hypogonadismus ist es, diesen Zustand von einer konstitutionellen Pubertätsverzögerung zu differenzieren und den Zeitpunkt für den Beginn einer Androgenbehandlung festzulegen. In leichteren Fällen eines Androgenmangels, wie bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom, kann die Pubertätsentwicklung normal, unvollständig oder verzögert sein und in einem subtileren phänotypischen Bild resultieren. Bei diesen Patienten können mehrere Hinweise zur Diagnose eines Hypogonadismus führen. Dazu gehören: kleine Hoden, (anamnestischer) Hodenhochstand, Gynäkomastie, spärliche Körperbehaarung, eunuchoider Habitus, geringe Knochenmasse und Subfertilität [57].

4.5.3 Altershypogonadismus

Altershypogonadismus wird definiert als üblicherweise mit klinischen Symptomen oder Anzeichen assoziierter Testos­teronmangel bei einer Person, die eine normale Pubertäts­entwicklung durchlaufen und somit normale männliche sekundäre Geschlechtsmerkmale entwickelt hat.

In Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache des Hypogonadismus kann der Rückgang der Gonadenfunktion allmählich und teilweise sein. Das sich ergebende klinische Bild kann variabel, die Anzeichen und Symptome durch die physiologische phänotypische Variation verschleiert sein. Symptome, die mit einem Altershypogonadismus assoziiert werden, sind in Tabelle 3 zusammengefasst. Die meisten dieser Symptome haben eine multifaktorielle Ätiologie, erscheinen wie normale Alterungsanzeichen und können auch bei Männern mit völlig normalem Testosteronspiegel gefunden werden [5]. Dementsprechend können die Anzeichen und Symptome eines Altershypogonadismus unspezifisch sein, und die Bestätigung eines klinischen Verdachts durch Hormontests ist obligatorisch. Bei den meisten der oben genannten Symptome steigt die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens mit niedrigeren Plasma-Testosteronspiegeln. Die meisten Studien deuten auf einen Schwellenwert hin, unterhalb dessen die Häufigkeit der Symptome zu steigen beginnt [43, 58]. Dieser Schwellenwert liegt im Bereich des niedrigen Wertes des Normalbereichs für Plasma-Testosteronspiegel bei jungen Männern, doch scheint es eine große individuelle Schwankungsbreite zu geben, und sogar innerhalb eines Individuums kann der Schwellenwert unterschiedlich sein für verschiedene Zielorgane. Die Androgenrezeptoraktivität kann ebenfalls zu dieser Variationsbreite beitragen [59, 60].

4.5.4 Hypogonadismus bei Typ-2-Diabetes

Es gibt eine hohe Prävalenz für einen Hypogonadismus bei Männern mit Typ-2-Diabetes [61–63]. Das verbreitetste Symp­tom und die Hauptindikation für eine Behandlung ist die sexuelle Dysfunktion. Eine erektile Dysfunktion wird bei bis zu 70 % der Männer mit Typ-2-Diabetes berichtet, wobei diese durch unterschiedliche oder auch kombinierte Ätiologien (Angiopathie, Neuropathie, Medikamente, psychologische Faktoren) verursacht werden kann, wie auch in etwa 30 % der Fälle durch einen Hypogonadismus. Eine Testosterontherapie allein kann unzureichend sein und eine Kombination mit PDE5-Inhibitoren erfordern. Der Testosteronmangel ist auch mit einem Versagen der PDE5-Inhibitor-Therapie assoziiert [64]. Randomisierte kontrollierte Studien mit einer mindestens 6-monatigen Testos­teronersatztherapie (TRT) berichteten bei Männern mit Typ-2-Diabetes von einer signifikanten Besserung des sexuellen Verlangens, nicht jedoch der erektilen Funktion [65–67], wobei eine Studie keinen Nutzen für das sexuelle Verlangen zeigte [68].

Testosteronmangel ist assoziiert mit einem unerwünschten kardiovaskulären Risikoprofil bei Männern mit Typ-2-Diabetes. In einigen Studien konnte bei einer TRT die Verbesserung der Insulinresistenz und der glykämischen Kontrolle gezeigt werden sowie eine Reduktion des Körperfettanteils und des Taillenumfangs, des Gesamt- und LDL-Cholesterin wie auch des Lipoprotein (a); auch eine geringgradige Minderung des HDL-Cholesterins kann eintreten. Es gibt einige Evidenz dafür, dass sie die Mortalität reduziert [65, 69, 70]. Diese Vorteile sind jedoch gegenwärtig keine eigenständigen Indikationen für die TRT bei Typ-2-Diabetes und erfordern weitere Forschung, könnten aber als möglicher zusätzlicher Nutzen betrachtet werden, wenn Patienten im Zusammenhang mit einer sexuellen Dysfunktion behandelt werden.

4.5.4.1 Empfehlungen für das Screening von Männern mit Altershypogonadismus

Empfehlungen

LE

GR

Ein Screening auf Testosteronmangel wird nur bei erwachsenen Männern mit persistierenden und mehreren Anzeichen und Symptomen empfohlen (wie in Tabelle 3 dargestellt).

3

C

Junge Männer mit einer testikulären Dysfunktion und Männer > 50 Jahre mit niedrigem Testosteron sollten zusätzlich auf Osteoporose gescreent werden.

2

B

5. Krankheitsmanagement

5.1 Indikationen und Kontraindikationen der ­Behandlung

Die Testosteronbehandlung zielt darauf ab, physiologische Testosteronspiegel bei Männern mit fortgesetzt niedrigen Serum-Testosteronspiegeln und assoziierten Symptomen des Androgenmangels wiederherzustellen. Ziel der Testosteronbehandlung sind die Wiederherstellung der physiologischen androgenabhängigen Funktionen und die Verbesserung der Lebensqualität (Quality of life, QoL), z. B. Wohlbefinden, Sexualfunktion, Muskelstärke und Knochenmineraldichte. Tabelle 5 stellt die Hauptindikationen für eine Testosteronbehandlung heraus, Tabelle 6 führt die Hauptkontraindikationen gegen eine Testosteronbehandlung auf.

5.2 Nutzen der Behandlung

Eine Behandlung ist beim angeborenen hypogondotropen Hypogonadismus gewöhnlich indiziert. Bei diesen Patienten kann eine hormonelle Stimulation mit hCG und FSH oder alternativ eine pulsatile GnRH-Behandlung die Pubertät induzieren, in den meisten Fällen die Fertilität wiederherstellen und die Knochenmineralisation normalisieren [35, 71, 72]. Wenn nach der Pubertätsinduktion der aktive Kinderwunsch nicht im Behandlungsfokus steht, wird eine lebenslange Testosteronsubstitution empfohlen [73].

Beim Altershypogonadismus kann eine Testosteronbehandlung die Symptome verbessern, doch viele hypogonadale Männer sind krank und/oder übergewichtig, sodass Gewichtsreduktion, Änderung des Lebensstils und die angemessene Behandlung der Komorbiditäten wichtiger sind als die alleinige Testosteronbehandlung [74, 75].

Eine Testosteronbehandlung kann einigen Nutzen hinsichtlich Körperzusammensetzung, metabolischer Kontrolle sowie psychologischen und Sexualparametern bringen. Beobachtungsstudien zeigen eine Korrelation zwischen wiederhergestellten physiologischen Testosteronspiegeln, Muskelmasse und -kraft, gemessen als Kraft beim Beindrücken, und dem Quadrizeps-Muskelvolumen [42, 76–78]. Niedrige Testosteronspiegel sind bekannt bei Männern mit chronischer Niereninsuffizienz unter Hämodialyse und darüber hinaus auch mit einer Verschlechterung der Prognose bei niedrigeren Testosteronspiegeln assoziiert. Es mangelt jedoch an Interventionsstudien, die den eventuellen Nutzen der Testosterontherapie in dieser Gruppe von Männern evaluieren [79]. Ähnlich positive Ergebnisse werden in Meta-Analysen berichtet, die auf den Wert des exogenen Testosterons für die Knochenmineraldichte ausgerichtet sind: Es ist offensichtlich, wie eine Testosterontherapie die Knochendichte im Lendenwirbelbereich verbessert, indem sie eine Reduktion der Knochenresorptionsmarker bewirkt. Die verfügbaren Studien konnten keinen vergleichbaren Effekt am Oberschenkelhals zeigen. Gegenwärtig scheint jedoch die Knochenmineraldichte weiterhin ein Ersatzparameter für die Knochengesundheit zu sein. Es liegen keine randomisierten, kontrollierten Studien (randomised controlled trials, RCT) zur exakten Beurteilung des tatsächlichen Frakturrisikos vor [77, 80–82]. Die Verbesserung der Knochenmineraldichte und Knochenstruktur bei Männern mit Klinefelter-Syndrom wurde ebenfalls berichtet [83]. Die Körperzusammensetzung wird durch eine Testosterontherapie bei hypogonadalen Männern im Sinne einer nachfolgenden Abnahme der Fettmasse und einer Zunahme der fettfreien Körpermasse beeinflusst [77, 84]. Hypogonadale Männer haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Osteopenie. Junge Männer mit testikulärer Dysfunktion und Männer > 50 Jahre mit niedrigem Testosteron sollten zusätzlich auf Osteoporose gescreent werden [85].

Einige Studien mit Testosteronundecanoat zeigen einen signifikanten Rückgang beim Stamm- und Bauchfett mit nachweisbarer Abnahme des Taillenumfangs [86–88]. In denselben Studien zeigte die Verabreichung von Testosteronundecanoat nach 3 Monaten Therapie eine Verbesserung von Körpergewicht, Body-mass-Index und Lipidprofil [86].

Eine starke Korrelation zwischen verminderten Testosteronspiegeln und einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität wurde in Meta-Analysen und in retrospektiven Studien berichtet, die zudem zeigen konnten, dass Gesamttestosteron und freies Testosteron im Normalbereich mit einer reduzierten Gesamtmortalität verbunden sind [89–95]. Es drängt sich auf, dass Testosteron ein Biomarker für einen schlechten Gesundheitszustand und als solcher ein Marker eines erhöhten Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen ist [96]. Von Interesse ist ebenfalls die Beobachtung, dass eine Testosteronbehandlung (transdermal) über einen Zeitraum von 3 Jahren im Vergleich zum Placebo keine Veränderung in der Dynamik einer atherosklerotischen Plaque-Entwicklung in der Intima media der Karotiden verursachte [97].

5.2.1 Sexuelle Dysfunktion und Testosteronbehandlung

Symptome einer sexuellen Dysfunktion sind die entscheidenden prädiktiven Anzeichen eines potenziellen männlichen Hypogonadismus: 23–36 % der Männer mit sexueller Dysfunktion sind hypogonadal [98]. Es konnte gezeigt werden, dass eine Testosterontherapie die Sexualfunktion bei hypogonadalen Männern moderat verbesserte [99]. In einer großen RCT führte die Testosterontherapie zu einer signifikanten Verbesserung der sexuellen Erregung, des sexuellen Interesses und des Triebes [100]. Zwei RCTs berichteten, dass die Testosterontherapie einen Nutzen für die Sexualfunktion bei Männern mit Typ-2-Diabetes hat [65, 101]. In einer aktuellen Meta-Analyse von RCTs zur Testosterontherapie und Sexualfunktion zeigte Testosteron einen positiven Einfluss auf die Sexualfunktion – jedoch nur bei deutlich hypogonadalen Männern (T < 8 nmol/L) [66]. Die Verbesserung sexueller Symptome wird weitgehend von der Ätiologie der Dysfunktion abhängen: Eine Testosterontherapie bei Männern mit normalen Testosteronspiegeln ist nicht sehr effektiv, doch kann diese bei hypogonadalen Männern das Ansprechen auf PDE5-Inhibitoren verbessern helfen [102], obwohl eine aktuelle Meta-Analyse von Studien mit täglicher PDE5-Inhibitor-Gabe bei Männern mit niedrigem Testosteron zeigte, dass PDE5-Inhibitoren bei Männern mit niedrigem Testosteron genauso effektiv waren wie bei Männern mit normalem Testosteron [103]. Der Vorteil der Verwendung von PDE5-Inhibitoren bei erektiler Dysfunktion ist, dass diese Medikamente gewöhnlich sehr effektiv sind und schnell wirken. Im Gegensatz dazu kann eine Testosteronbehandlung bei erektiler Dysfunktion bis zu einige Monate erfordern, bis sie effektiv wirkt. Die Verwendung eines PDE5-Inhibitors kann auch das Serum-Testosteron erhöhen [104].

In einer kleineren RCT verbesserte eine Testosterontherapie die kognitiven Funktionen nicht, hatte aber einen positiven Effekt auf das verbale Gedächtnis und depressive Symptome [105]. Eine signifikante Verbesserung depressiver Symptome bei Männern, die mit Testosteronundecanoat behandelt wurden, wurde in einer aktuellen randomisierten Studie berichtet [67]. Die Meta-Analyse von Daten randomisierter, placebokontrollierter Studien zeigte eine signifikante positive Wirkung des Testosterons auf die Stimmungslage [106]. In einer aktuellen Übersichtsarbeit wird herausgestellt, dass sich QoL und Körperfunktion bei gebrechlichen Männern mit niedrigem Testosteron zu verbessern scheinen, wenn diese mit Testosteron behandelt werden [46].

Zusammenfassung der Evidenz

LE

Die Testosterontherapie kann Symptome verbessern, allerdings haben viele hypogonadale Männer chronische Krankheiten und sind übergewichtig. Gewichtsreduktion, Änderung des Lebensstils und die angemessene Behandlung von Komorbiditäten können Testosteron erhöhen und assoziierte Risiken für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen vermindern.

2

Eine Testosteronbehandlung kann Körperzusammensetzung, Knochenmineralisation, Zeichen eines metabolischen Syndroms, männliche Sexualprobleme, die Regulierung von Diabetes, Gedächtnis und depressive Symptome verbessern.

3

Eine Reduktion von BMI und Taillenumfang, eine Verbesserung von glykämischer Kontrolle und Lipidprofil werden bei hypogonadalen Männern unter Testosteronbehandlung beobachtet.

2a

Empfehlungen

LE

GR

Vor dem Beginn einer Testosterontherapie sollen der Lebensstil verbessert, bei Übergewicht das Gewicht reduziert und Komorbiditäten behandelt werden.

3

C

Bei hypogonadalen Männern mit erektiler Dysfunktion soll die Primärtherapie mit einem PDE5-Inhibitor begonnen und im Falle eines geringen Ansprechens auf die PDE5-Behandlung Testosteron ergänzt werden.

2

A

Eine Testosterontherapie soll bei hypogonadalen Männern mit Diabetes berücksichtigt werden.

2

B

5.3 Wahl der Behandlung

Das Ziel der Testosteronbehandlung ist die Wiederherstellung physiologischer Testosteronspiegel bei hypogonadalen Männern [107]. Es sind verschiedene Präparate erhältlich, die sich in Verabreichungsart, Pharmakokinetik und Nebenwirkungen unterscheiden; die Wahl sollte eine gemeinsame Entscheidung von Patient und Arzt sein [108]. In der initialen Behandlungsphase sind kurzwirkende Präparate der langwirkenden Depot-Verabreichung vorzuziehen, sodass jegliche unerwünschte Ereignisse, die sich entwickeln könnten, früh beobachtet werden und die Behandlung nötigenfalls abgebrochen werden kann [109]. Die verfügbaren Wirksubstanzen sind als orale Präparate, intramuskuläre Injektionen und transdermale Gele erhältlich.

5.3.1 Präparate

5.3.1.1 Testosteronundecanoat

Testosteronundecanoat (TU) ist die meist verbreitete und sicherste orale Darreichungsform. Es führt nur selten zu einem Anstieg der Testosteronspiegel über den mittleren Bereich hinaus und ist daher auch selten mit Nebenwirkungen assoziiert [107]. Bei oraler Verabreichung hängt die Resorption von der gleichzeitigen Aufnahme fettreicher Nahrung ab. Testosteronundecanoat ist auch als langwirksame intramuskuläre Injektion (mit Intervallen von bis zu 3 Monaten) erhältlich. Diese lange Wirkungsdauer stellt eine normale Testosteronserumkonzentration für die gesamte Dauer sicher, doch die relativ lange Auswaschphase kann zu Problemen führen, falls Komplikationen eintreten [110]. In der kürzlich publizierten IPASS-Studie wurde eine weltweite Stichprobe von 1438 Männern über 9–12 Behandlungsmonate mit TU-Injektionen ausgewertet: TU war effektiv und gut verträglich, mit deutlichen Verbesserungen bei mehreren psychosexuellen Funktionen und dem Bauchumfang. Unerwünschte Ereignisse und Nebenwirkungen der Medika­tion (Zunahme des Hämatokrit, Anstieg des PSA und Schmerzen an der Injektionsstelle) lagen jeweils bei 12 % und 6 %, waren meistens leicht- bis mittelgradig, und es konnte keine Zunahme von Prostastakarzinomen beobachtet werden [88].

5.3.1.2 Testosteroncypionat und -enanthat

Testosteroncypionat und -enanthat sind in der kurzwirkenden intramuskulären Darreichungsform (mit Intervallen von 2–3 Wochen) erhältlich und stellen sichere und valide Präparate dar. Diese Präparate verursachen jedoch Fluktuationen im Serum-Testosteron von hohen bis hin zu subnormalen Spiegeln, und sie gehen dementsprechend mit Phasen guten Befindens im Wechsel mit Phasen eines nicht zufriedenstellenden klinischen Ansprechens einher [111, 112]. Sie sind auch mit erhöhten Raten einer Erythrozytose assoziiert.

5.3.1.3 Transdermales Testosteron

Transdermale Testosteronpräparate sind erhältlich als 1- oder 2%iges Gel. Sie sorgen für einen gleichmäßig normalen Serum-Testosteronspiegel für 24 Stunden (tägliches Intervall). Die allgemeinen Nebenwirkungen bestehen in dem Risiko einer Übertragung auf andere Personen, falls keine geeigneten Vorkehrungen getroffen werden [113, 114]. Die topische Applikation von 2%igem Testosteron im Bereich der Axilla hat sich als sicher und mit einem effektiven Profil in einer multinationalen klinischen Open-label-Studie gezeigt; sie wurde für die Vereinigten Staaten und Europa zugelassen [115–117]. Es ist zu beachten, dass Patienten mit hohem BMI höhere Dosierungen benötigen können, da ihr Übergewicht die Pharmakokinetik transdermaler Testosteronpräparate zu beeinflussen scheint [118, 119].

5.3.1.4 Zukunftsperspektiven

Es existiert eine randomisierte klinische Phase-II-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Enclomiphencitrat (EC) als Alternative zu Testosteronpräparaten. Enclomiphencitrat sollte für eine adäquate Ergänzung von Testosteron sorgen und gleichzeitig bei ausreichendem Sicherheitsprofil eine Oligospermie verhindern. Gegenwärtig wird es als Off-label-Medikation beim männlichen Hypogonadismus verwendet [120–123].

5.4 Hypogonadismus und Fertilitätsaspekte

Exogenes Testosteron reduziert die endogene Testosteronproduktion durch negative Rückkopplung auf die hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse. Wenn Hypogonadismus in Kombination mit Infertilität auftritt, sollte eine hCG-Behandlung in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Männern mit niedrigen Gonadotropinen (sekundärer Hypogonadismus). Humanes Choriongonadotropin (hCG) stimuliert die Testosteronproduktion der Leydig-Zellen. Normale physiologische Serumspiegel können mit einer Standarddosierung von 1500–5000 IU intramuskulär oder subkutan 2× pro Woche erreicht werden. Bei Patienten mit sekundärem Hypogonadismus wird die hCG-Behandlung mit einer FSH-Behandlung (üblicherweise 150 IU 3× pro Woche intramuskulär oder subkutan) kombiniert; die alleinige hCG-Einleitung kann zu einer Suppression des FSH führen (negative Rückkopplung der Testosteronproduktion).

Eine Behandlung mit humanem Choriongonadotropin bringt höhere Kosten mit sich als eine Testosteronbehandlung. Die Informationen zu den therapeutischen und unerwünschten Wirkungen einer Langzeitbehandlung mit hCG sind unzureichend. Diese Behandlungsform kann daher nicht für die Langzeitbehandlung des männlichen Hypogonadismus empfohlen werden, außer bei Patienten mit Indikation zur Kinderwunschbehandlung. Eine frühere Testosteronbehandlung scheint die Wirksamkeit einer Gonadotropintherapie nicht zu beeinträchtigen [71, 73]. Antiöstrogene und Aromataseinhibitoren sind weitere Optionen für hypogonadale Patienten mit aktivem Kinderwunsch, wenngleich die Evidenz hierfür begrenzt ist [124].

5.5 Empfehlungen für die Testosteronersatz­therapie

Empfehlungen

LE

GR

Der Patient soll über den zu erwartenden Nutzen und die Nebenwirkungen der Behandlungsoption informiert sein. Die Wahl des Präparates soll eine gemeinsame Entscheidung des informierten Patienten und des Arztes sein.

3

A

Kurzwirkende Präparate sind einer langwirkenden Depotverabreichung bei initialem Behandlungsbeginn vorzuziehen, sodass die Therapie im Falle unerwünschter Nebenwirkungen angepasst oder beendet werden kann.

3

B

Eine Testosterontherapie soll bei Patienten mit männlicher Infertilität und aktivem Kinderwunsch nicht durchgeführt werden, da diese die Spermatogenese unterdrücken kann.

1b

A

Eine hCG-Behandlung kann nur für (hypogonadotrop) hypogonadale Patienten mit gleichzeitiger Kinderwunschbehandlung empfohlen werden.

1b

B

Bei Patienten mit Altershypogonadismus
soll eine Testosteronbehandlung nur bei Männern mit mehreren Symptomen verordnet werden und wenn Gewichtsreduktion, Ver­änderung des Lebensstils und eine gut ausgewogene Behandlung von Komorbiditäten sich als nicht erfolgreich erwiesen haben.

2

A

5.6 Risikofaktoren der Testosteronbehandlung

Ärzten widerstrebt wegen potenzieller Behandlungsrisiken oftmals das Anbieten einer Testosteronbehandlung – besonders bei älteren Männern. Am häufigsten geht es hier um mögliche Folgen für die Prostata und ein kardiovaskuläres Risiko.

5.6.1 Männlicher Brustkrebs

Männlicher Brustkrebs ist eine seltene Erkrankung mit einer Inzidenz von < 1 % aller Karzinome bei Männern [127]. Die Inzidenz ist bei Männern mit Klinefelter-Syndrom höher. Eine Testosteronbehandlung ist kontraindiziert bei Männern mit Brustkrebs in der Vorgeschichte [31]. Eine Assoziation von Testosteronbehandlung und Brustkrebsentwicklung wird nicht durch eine gesicherte Evidenz gestützt, auch wenn es einige wenige Berichte gibt, die auf kleinen Patientenzahlen basieren [128].

5.6.2 Risiko für Prostatakarzinom

Das Wachstum von Prostatakrebs kann durch Testosteron beeinflusst werden: Studien zeigen, dass der Hypogonadismus mit einer geringeren Inzidenz des Prostatakarzinoms assoziiert ist; wenn jedoch bei hypogonadalen Männern ein Prostatakrebs diagnostiziert wird, dann für gewöhnlich im fortgeschrittenen Stadium und mit einem höheren Gleason-Score [129, 130]. Randomisierte, kontrollierte Studien mit kurzer Studiendauer unterstützen die Hypothese, dass eine Testosteronbehandlung weder in Veränderungen der Prostatahistologie resultiert noch in einem signifikanten Anstieg des intraprostatischen Testosterons und DHT [131, 132]. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass eine Testosterontherapie weder das Risiko für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms erhöht noch zu aggressiveren Prostatatumoren führt [88, 131, 133, 134].

Eine Testosteronbehandlung ist klar kontraindiziert bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Ein derzeit diskutiertes Thema ist der Einsatz einer Testosteronbehandlung bei hypogonadalen Männern mit einer Prostatakrebsvorgeschichte und ohne Nachweis für eine aktive Erkrankung. Bisher sind nur Studien mit begrenzter Patientenzahl und zeitlich relativ kurzem Follow-up verfügbar, und diese deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinomrezidiv hin [135, 136]. Gemäß einer aktuellen retrospektiven Studie mit hypogonadalen Männern mit einer Prostatakrebsanamnese, die Testosteron nach der Krebsdiagnose erhielten, war die Behandlung nicht mit einer Erhöhung der Gesamt- oder krebsspezifischen Mortalität assoziiert, wobei die Verordnung einer Testosteronbehandlung bei Patienten mit radikaler Prostatektomie wegen gut differenzierter Tumoren wahrscheinlicher war [137]. Noch sind keine randomisierten und placebokontrollierten Studien verfügbar, um die Langzeitsicherheit einer solchen Behandlung dieser Patienten zu dokumentieren [107]. Symptomatische hypogonadale Männer, die bereits wegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms chirurgisch behandelt wurden und gegenwärtig ohne Evidenz für eine aktive Erkrankung sind (wie z. B. messbares PSA, anormale Rektaluntersuchung, Nachweis von Knochen-/Viszeralmetastasen), können mit Bedacht für eine Testosteronbehandlung in Betracht gezogen werden [138]. Bei diesen Männern sollte die Behandlung auf Patienten mit einem niedrigen Risiko für ein Prostatakarzinomrezidiv (d. h. Gleason-Score < 8; pathologisches Stadium pT1-2; präoperativer PSA < 10 ng/ml) beschränkt sein. Es wird empfohlen, die Therapie frühestens nach einem Jahr postoperativem Follow-up zu beginnen; diese Patienten sollten keinen PSA-Wiederanstieg haben [139].

Patienten, die sich einer Brachytherapie oder externen Strahlentherapie (EST) wegen eines Niedrigrisiko-Prostatakarzinoms unterzogen haben, können ebenfalls im Falle eines symptomatischen Hypogonadismus mit Bedacht mit Testosteron behandelt werden, verbunden mit einer engmaschigen Überwachung im Hinblick auf ein Prostatakarzinomrezidiv [137, 139, 140] – auch wenn keine Langzeitdaten für die Sicherheit dieser Patien­tengruppe verfügbar sind.

5.6.3 Kardiovaskuläre Erkrankungen

Es gibt gute Evidenz, dass sowohl der Testosteronmangel als auch die erektile Dysfunktion voneinander unabhängige Biomarker, aber nicht unbedingt die Ursache einer kardiovaskulären Erkrankung wie auch der Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität darstellen [141]. Endogene Testosteronspiegel im mittleren Normalbereich sind mit dem geringsten Mortalitätsrisiko assoziiert [93].

Zwei Studien berichteten, dass Männer mit Testosteronspiegeln im oberen Quartil des Normalbereichs eine geringere Anzahl kardiovaskulärer Ereignisse haben im Vergleich zu den kombinierten Daten der unteren 3 Quartile [142, 143]. Das Wissen darüber, dass Hypogonadismus und erektile Dysfunktion Biomarker für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, zeigt, dass Patienten hinsichtlich ihrer kardiovaskulären Risikofaktoren beurteilt und ggfs. zum Kardiologen überwiesen werden sollten. Individuelle kardiovaskuläre Risikofaktoren (z. B. Lebensstil, Ernährung, sportliche Betätigung, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie) sollten bei Männern mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung behandelt werden. Die Sekundärprävention sollte bei ihnen bestmöglich optimiert werden.

Die Testosterontherapie hat in einigen Studien auch günstige Effekte auf bestimmte kardiovaskuläre Risikofaktoren gezeigt [144]. Bei Männern mit angiographisch bestätigter koronarer Herzerkrankung haben jene mit niedrigem Testosteron ein höheres Mortalitätsrisiko [145, 146]. Über all die Jahre seit Verfügbarkeit der Testosteronbehandlung gab es bis vor Kurzem in der medizinischen Literatur keine klinischen Studien, die – abgesehen vom Herzversagen – Anlass zur Sorge hinsichtlich eines erhöhten Risikos für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse gaben (major cardiovascular events, MACE) [147]. MACE definiert zusammenfassend kardiovaskulären Tod, nicht-tödlichen akuten Myokardinfarkt, akutes Koronarsyndrom, Schlaganfall und Herzversagen. Drei neuere Studien (eine placebokontrollierte [148] und 2 Beobachtungsstudien [149, 150]) legten jedoch nahe, dass eine Testosteronbehandlung mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert sein kann. Diese Studien wurden kürzlich durch die US-amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (Food and Drug Administration, FDA) überprüft und kam zu dem Schluss, dass „jede der Studien größere Qualitätseinschränkungen hatte, die definitive Schlussfolgerungen von vornherein ausschlossen“ [151]. Diese Feststellungen werden durch Leserbriefe als Reaktion auf den Artikel von ­Vigen et al. gestützt [152]. Die Kontroverse wurde zudem durch eine Meta-Analyse von Xu et al. [153] über 27 kleine Studien mit 2994 meist älteren Männern genährt, die zeigte, dass eine Testosterontherapie das Risiko für Zwischenfälle mit kardiovaskulärem Bezug erhöhte und dass der Effekt der Testosterontherapie mehr von der Finanzierungsquelle der berichteten Studien abhing als von den zugrunde liegenden Ausgangswerten für Testosteron [154, 155]. Andere Studien zeigten jedoch, dass die Testosteronbehandlung über eine weite Dosierungsspannbreite zumindest nicht proatherogen ist [156]. Um einige der Einschränkungen der Analyse von Xu et al. zu überwinden, führten Corona et al. eine aktualisierte systematische Literaturrecherche (systematic review) und eine Meta-Analyse von RCTs zur Testosteronbehandlung durch und wandten dabei eine konventionellere Definition kardiovaskulärer Ereignisse an, wie sie von den Zulassungsbehörden verwendet wird, um die Sicherheit neu angemeldeter Medikamente zu verifizieren (inklusive MACE). Die Ergebnisse stützen eine kausale Beziehung zwischen Testosteronbehandlung und kardiovaskulären Nebenwirkungen nicht [90].

Neuere Studien haben einiges an Klarheit hinsichtlich der Wirkung einer Testosteronbehandlung auf kardiovaskuläre Ereignisse gebracht. Eine große (n = 83.010, Follow-up durchschnittlich > 4,7 Jahre) retrospektive Studie von Männern mit niedrigem Testosteron, die eine Testosteronsubstitution mit Werten im Normalbereich erhielten, war assoziiert mit einer Reduktion von Myokardinfarkten, während Männer mit einer Testosteronbehandlung, die keine Normalisierung der Werte erreichten, keinen Nutzen hatten [157]. Eine zweite retrospektive Analyse von MACE nach 3 Jahren (n = 4736) bei Männern, die wiederum behandelt wurden, um ihr Testosteron zu normalisieren, verglich Gruppen mit niedrigem, normalem und hohem Testosteron. Das Ergebnis war, dass normales Testosteron MACE und Tod reduzierte [158]. Eine dritte große Studie (bevölkerungsbasierte, gematchte Kohorte, 10.311 TRT-Patienten versus 28.029 Kontrollen) beobachtete den Verlauf über 5 Jahre und zeigte, dass sich bei Männern, die dem höchsten Terzil der Testosteronbehandlung ausgesetzt waren, Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse verminderten, während Männer, die dem untersten Terzil der Testosteronbehandlung ausgesetzt waren, eine erhöhte Mortalität und eine Zunahme kardiovaskulärer Ereignisse aufwiesen [95]. Diese Studien zeigen, dass bei Testosteronanwendung eine adäquate Substitution verabreicht werden sollte, um die Testosteronspiegel zu normalisieren, und dass die Patienten therapietreu sind.

Die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) stellte fest: „Die Koordinierungsgruppe für das Verfahren der gegenseitigen Anerkennung und das dezentralisierte Verfahren bei Humanarzneimitteln (Co-ordination Group for Mutual Recognition and Decentralised procedures – Human, CMDh), eine die EU-Mitgliedsstaaten repräsentierende regulatorische Körperschaft, hat per Konsensus vereinbart, dass es keine durchgängige Evidenz eines erhöhten Risikos für Herzprobleme bei Testosteronmedikamenten für Männer gibt, die einen Hormonmangel haben (ein Zustand, der als Hypogonadismus bekannt ist). Die Produktinformation muss jedoch in Übereinstimmung mit der allerneuesten Evidenz zur Sicherheit aktualisiert werden und Warnungen enthalten, dass der Testosteronmangel durch Anzeichen und Symptome wie auch durch Labortests bestätigt sein sollte, bevor Männer mit diesen Medikamenten behandelt werden“.
(http://www.ema.europa.eu/ema/)

Eine aktuelle, umfassende und detaillierte Meta-Analyse der verfügbaren und auswertbaren randomisierten placebokon­trollierten Studien schlussfolgerte, dass die Daten eine kausale Beziehung zwischen Testosteronbehandlung und kardiovaskulären Nebenwirkungen nicht unterstützen [90]. Es gibt jedoch keine Langzeitstudien oder RCTs, die eine definitive Antwort liefern. Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass die Testosterontherapie das Überleben verbessert, verglichen mit nicht behandelten Männern [69, 159]. Diese Ergebnisse werden durch eine große retrospektive Analyse von 6355 mit Testosteron behandelten Männern im Vergleich zu 19.065 unbehandelten unterstützt, die kein erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt unter Testosteronbehandlung demonstrierte [160].

Man sollte jedoch Vorsicht walten lassen bei Männern mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen. Erstens muss ein Hypogonadismus sorgfältig und zweifelsfrei diagnostiziert werden. Zweitens sollten bei einer Testosteronverschreibung die Testosteronspiegel nicht den mittleren Normalbereich überschreiten, der Hämatokrit sollte nicht 0,54 überschreiten [161]. Eine Testosterondosisanpassung und/oder ein Aderlass (500 ml) können erforderlich werden und nötigenfalls wiederholt werden, falls der Hämatokrit 0,54 übersteigt. Der Wert von > 0,54 basiert auf dem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Mortalität aus der Framingham-Heart-Studie [162] und wurde kürzlich in einer weiteren Studie bestätigt [163]. Dieser Wert wird auch durch das bekannte erhöhte Thromboserisiko im Fall der angeborenen idiopathischen Erythropoese unterstützt [164]. Die Mehrzahl der Patienten mit einer kardiovaskulären Erkrankung wird eine Anti-Thrombose-Therapie erhalten. Ein Elektrokardiogramm vor Testosteronbehandlung könnte bei der Beurteilung des Hypogonadismus berücksichtigt werden.

Zwei große retrospektive Studien haben keinerlei Evidenz für die Assoziation einer Testosteronbehandlung mit einer erhöhten Inzidenz venöser Thromboembolien erbracht [165, 166]. Eine Studie von Männern unter Testosteronbehandlung berichtete von 42 Fällen (38 Männer), von denen bei 40 eine gesicherte Thrombophilie-Grunderkrankung vorlag (welche Faktor-V-Leiden-Mangel, Prothrombinmutationen, Homozysteinurie einschloss), deren Erkrankung wiederum bei 39 nach einem entsprechenden Ereignis diagnostiziert wurde [167]. Außerdem sind hohe endogene Testosteron- und/oder Östradiolspiegel nicht mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien assoziiert [165, 166, 168]. Eine Testosteronbehandlung ist kontraindiziert bei Männern mit schwerer chronischer Herzinsuffizienz, da eine Flüssigkeitseinlagerung zu einer Exazerbation des Zustandes führen könnte. Einige Studien, darunter eine 12-monatige, zeigten, dass Männer mit mittlerer chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III) von niedrigen Testosterondosierungen profitieren können, welche Testosteronspiegel im mittleren Normalbereich erreichen [76, 169, 170]. Wenn bei Männern mit chronischer Herzinsuffizienz die Entscheidung für eine Behandlung des Hypogonadismus getroffen wurde, dann ist die sorgfältige und regelmäßige Verlaufsbeobachtung des Patienten mit klinischer Bewertung und Testosteron- sowie Hämatokritmessungen essentiell. Eine interessante Beobachtung ist, dass der Testosteronmangel die Rate für die Wiedereinlieferung ins Krankenhaus und für die Mortalität bei Männern mit Herzversagen erhöhte [94].

5.6.4 Obstruktive Schlafapnoe

Es gibt keine konsistente Evidenz für eine Korrelation von Testosteronbehandlung und obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Auch gibt es keine Evidenz dafür, dass eine TRT zum Ausbruch oder einer Verschlechterung dieses Leidens führt [171].

5.6.5 Durch anabole Steroide induzierter Hypogonadismus

Nicht-rezeptierte anabole Steroide (anabolic-androgenic steroids, AAS) werden verwendet, um einen Schub in der sportlichen Leistung zu erreichen. Der Gebrauch von AAS resultiert in einem hypogonadotropen Hypogonadismus durch Rückkopplung der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen (HPG-) Achse mittels Inhibition der pulsatilen GnRH-Ausschüttung und nachfolgenden Rückgang von LH und FSH. Die Dauer der Suppression und der resultierende symptomatische Hypogonadismus sind stark variabel und auf vielfältige Faktoren zurückzuführen, wie Unterschiede in der Wahl der Präparate, der verwendeten Menge und Einnahmedauer. Nach einer vollständigen hormonellen und metabolischen Untersuchung kann dieser Zustand mit hCG und selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM) behandelt werden [172], bis sich die reproduktive Hormonachse wieder erholt hat.

5.7 Zusammenfassung der Evidenz und ­Empfehlungen zu Risikofaktoren der Testosteronersatztherapie

Zusammenfasssung der Evidenz

LE

Fallberichte und kleine Kohortenstudien weisen auf eine mögliche Korrelation zwischen Testosteronbehandlung und dem Auftreten eines Mammakarzinoms hin, jedoch gibt es keine starke Evidenz für diese Beziehung.

3

Randomisierte, kontrollierte Studien unterstützen die Hypothese, dass eine Testosteronbehandlung nicht zu Veränderungen in der Prostatahistologie führt.

1b

Neuere Studien zeigen, dass eine Testosteronbehandlung das Risiko für ein Prostatakarzinom nicht erhöht, wenngleich Langzeit-Follow-up-Daten noch nicht verfügbar sind.

3

Es gibt keine Evidenz für eine Beziehung zwischen Testosteronbehandlung und obstruktiver Schlafapnoe.

3

Es gibt keine substanzielle Evidenz dafür, dass eine Testosteronbehandlung, die den physiologischen Normalbereich substituiert, mit dem Auftreten größerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) verbunden ist.

1a

Bei hypogonadalen Männern hat die Testosteronbehandlung nachweislich einen positiven Einfluss auf kardiovaskuläre Risiken [90].

1b

Empfehlungen

LE

GR

Eine hämatologische, kardiovaskuläre, Mamma- und Prostatauntersuchung soll vor Behandlungsbeginn durchgeführt werden.

1a

A

Testosteron, Hämatokrit, Hämoglobin und prostataspezifisches Antigen (PSA) sollen während der Testosteronbehandlung überwacht werden.

3

A

Symptomatischen hypogonadalen Männern, die wegen eines lokalen Prostatakarzinoms operativ therapiert wurden und gegenwärtig ohne Nachweis für eine aktive Erkrankung sind (z. B. messbares PSA, abnormale Rektaluntersuchung, Hinweis auf Knochen-/Viszeralmetastasen), kann eine Testosteronbehandlung angeboten werden: Die Behandlung sollte beschränkt sein auf Patienten mit einem geringen Risiko für ein Prostatakarzinomrezidiv (d. h. Gleason-Sscore < 8; Pathologiestadium pT1-2; präoperativer PSA < 10 ng/ mL) und sollte erst nach einem Jahr Follow-up beginnen.

3

B

Die Bestimmung kardiovaskulärer Risiko­faktoren soll vor Beginn einer Testosterontherapie erfolgen, die Sekundärprävention bei Männern mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung soll optimiert werden.

1a

A

Hypogonadale Männer, bei denen eine Vorgeschichte einer kardiovaskulären ­Erkrankung, venöser Thromboembolien oder chronischer Herzinsuffizienz bekannt ist und die eine Testosterontherapie benötigen, sollen mit Vorsicht behandelt und sorgfältig mit klinischer Untersuchung (Hämatokrit- [nicht > 0,54] und Testosteronspiegeln altersadaptiert innerhalb des mittleren Normbereichs) überwacht werden.

1b

A

6. Verlaufskontrollen

6.1 Überwachung von Patienten unter Testos­teronersatztherapie

Ein regelmäßiges Follow-up ist bei Patienten unter Testosteronbehandlung erforderlich, da potenziell androgenabhängige Symptome und Zustände auftreten können. Die Nebenwirkungen der Testosteronbehandlung sind begrenzt, doch ihre Inzidenz und klinische Relevanz ist bisher unklar. Primäres Ziel einer Testosteronbehandlung ist es, klinische Symptome des Testosteronmangels abzumildern. Eine sorgfältige Überwachung der Veränderungen der klinischen Manifestationen eines Testosteronmangels sollte daher wesentlicher Bestandteil jeder Kontrolluntersuchung sein. Die Wirkungen der Testos­teronbehandlung auf das sexuelle Interesse können bereits nach 3-wöchiger Behandlung eintreten und nach 6 Wochen ein Plateau erreichen [77]. Veränderungen der erektilen Funktion und Ejakulation können bis zu 6 Monate Anwendungsdauer erfordern [77]. Wirkungen auf die Lebensqualität und auch auf eine depressive Stimmungslage können innerhalb eines Monats feststellbar werden, doch bis zum maximalen Effekt kann es länger dauern [77].

6.2 Testosteronspiegel

Noch ist die Datenlage zur Definition optimaler Testosteron-Serumspiegel unter einer Testosteronbehandlung unzureichend. Nach Expertenmeinung soll die Testosteronbehandlung den Testosteron-Serumspiegel bis zum mittleren normalen Bereich spezifischer Altersgruppen von Männern wiederherstellen, der üblicherweise ausreicht, um die unterschiedlichen Manifestationen des Hormonmangels zu mildern. Ein optimaler Überwachungsplan für die Testosteron-Serumspiegel hängt auch vom eingesetzten Testosteronpräparat ab. Es ist wichtig, den Symptomrückgang zu beurteilen, und ein mangelndes Ansprechen führt zur Beendigung der Behandlung und einer erneuten Beurteilung der Diagnose.

6.3 Knochendichte

Die Knochenmineraldichte (bon mineral density, BMD) sollte nur bei Männern überwacht werden, deren BMD vor Einleitung der Testosteronbehandlung anormal war. Eine Zunahme der Lendenwirbel-BMD kann schon nach 6-monatiger Testosteronbehandlung feststellbar sein und sich weitere 3 Jahre fortsetzen [77].

6.4 Hämatokrit

Es ist wichtig, bei der Blutentnahme für Hämatokritmessungen nur eine minimale oder gar keine Venenokklusion vorzunehmen [164]. Ein erhöhter Hämatokrit ist die häufigste Nebenwirkung einer Testosteronbehandlung. Die klinische Bedeutung eines hohen Hämatokritspiegels ist unklar, er kann jedoch mit einer erhöhten Viskosität und Thromboseneigung assoziiert sein [168]. Der Effekt auf die Erythropoese ist nach 3 Monaten nachweisbar und erreicht einen Höchststand nach 12 Monaten [77].

6.5 Prostatasicherheit

Die Testosteronersatztherapie führt zu einem marginalen Anstieg des PSA und des Prostatavolumens und erreicht nach 12 Monaten ein Plateau [77]. Früheren Befürchtungen, dass die Testosteronbehandlung das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen könnte, wurde durch mehrere Meta-Analysen widersprochen [108, 131, 135, 173]. Es sind jedoch nur unzureichende Langzeitdaten verfügbar, um die Testosteronbehandlung im Hinblick auf die Entwicklung eines Prostatakarzinoms als sicher einzustufen. Ein Prostatamonitoring bleibt daher weiterhin indiziert. Patienten mit substanziellem oder dauerhaftem Anstieg des PSA-Spiegels müssen zum Ausschluss eines Prostatakarzinoms untersucht werden.

6.6 Kardiovaskuläre Überwachung

Bei Männern mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung sollte Vorsicht walten. Bei Männern mit chronischer Herzinsuffizienz kann eine Testosteronbehandlung zu einer Flüssigkeitsretention und einer Verschlimmerung des Zustandes führen [169, 170]. Fällt die Entscheidung zur Behandlung eines Hypogonadismus bei Männern mit chronischen Herzerkrankungen, so ist es wichtig, dass der Patient regelmäßig sorgfältigen Verlaufskontrollen mit klinischer Untersuchung sowie Testosteron- und Hämatokritmessung unterzogen wird.

6.7 Empfehlungen für die Verlaufskontrollen

Empfehlungen

LE

GR

Das Ansprechen auf die Testosteronbehandlung soll 3, 6 und 12 Monate nach Behandlungsbeginn beurteilt werden, danach jährlich.

4

C

Testosteron und Hämatokrit sollen nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich überwacht werden. Die Testosterondosis soll verringert oder das Präparat von parenteral auf topisch umgestellt oder ein Aderlass durchgeführt werden, falls sich der Hämatokrit über 0,54 erhöht. Sollte der Hämatokrit erhöht bleiben, dann sollte das Testosteron abgesetzt und in einer niedrigeren Dosierung wieder eingeleitet werden, sobald sich der Hämatokrit normalisiert hat.

4

C

Die Prostatagesundheit soll durch die digital rektale Untersuchung (DRU) und die PSA-Bestimmung vor Beginn der Testosteron­ersatztherapie (TRT) beurteilt werden. Eine PSA-Verlaufskontrolle soll nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich erfolgen.

4

C

Männer mit kardiovaskulärer Erkrankung sollen vor Einleitung einer Testosteronbehandlung auf kardiovaskuläre Symptome hin beurteilt werden und während der Behandlung weiter engmaschig klinisch überwacht werden.

1B

A

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Tabelle 1: Formen des primären Hypogonadismus

Erkrankung

Ursache des Versagens

Ausbleiben des Hodendeszensus, Fehlentwicklung des Hodens

Klinefelter-Syndrom 47,XXY

Non-disjunction der Geschlechtschromosomen in Keimzellen

Hodentumor

Hodenfehlentwicklung

Orchitis

Virale oder unspezifische Orchitis

Erworbene Anorchie

Trauma, Tumor, Torsion, Entzündung, iatrogen, chirurgische Ent­fernung

Sekundäre testikuläre Fehlfunktion

Medikamente, Drogen, Toxine, systemische Erkrankungen, Varikozele

(Idiopathische) testikuläre Atrophie/Hodendysgenesie

Männliche Infertilität (idiopathisch oder spezifische Ursachen)

Kongenitale Anorchie (bilateral bei 1:20.000 Männern,
unilateral ­4× so häufig)

Intrauterine Torsion ist die wahrscheinlichste Ursache

46,XY-Störungen der sexuellen Entwicklung (disorders of sexual ­development, DSD) (ehemals männlicher Pseudohermaphroditismus)

Gestörte Testosteronsynthese aufgrund von ­Enzymdefekten der Steroidbiosynthese (17,20-Hydroxylase-Defekt, 17?-Hydroxysteroid­dehydrogenase-Defekt)

Gonadendysgenesie (Synonym „Strang-Gonaden“)

XY-Gonadendysgenesie kann durch Mutationen in verschiedenen ­Genen verursacht werden

46,XX-Mann-Syndrom (Prävalenz 1:10.000–1:20.000)

Männer mit vorhandener genetischer Information des Y-Chromosoms nach Translokation eines DNA-Segments vom Y- zum X-Chromosom während der väterlichen Meiose

Noonan-Syndrom (Prävalenz 1:1000–1:5000)

Klein von Statur, angeborene Herzerkrankung, Hodenhochstand

Inaktivierende LH-Rezeptor-Mutationen, Leydig-Zell-Hypoplasie ­(Prävalenz 1:1.000.000–1:20.000)

Leydig-Zellen können sich aufgrund der Mutation nicht entwickeln [36]

Tabelle 2: Formen des sekundären Hypogonadismus

Erkrankung

Ursache des Versagens

Prolaktin-produzierende Hypophysenadenome (Prolaktinome) oder Medikamenten-induziert

Isolierter/kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus (IHH/CHH) (früher bezeichnet als idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus)

Spezifische (oder unbekannte) Mutationen, welche die GnRH-Synthese oder -Wirkung beeinträchtigen

Kallmann-Syndrom (hypogonadotroper Hypogonadismus mit Anosmie) (Prävalenz 1:10.000)

GnRH-Mangel und Anosmie, genetisch determiniert

Sekundärer GnRH-Mangel

Medikamente, Drogen, Toxine, systemische Erkrankungen

Hypopituitarismus

Radiotherapie, Trauma, Infektionen, Hämochromatose und vaskuläre Insuffizienz oder kongenital

Hypophysenadenome

Hormonproduzierende Adenome; hormoninaktive Hypophysenadenome; Metastasen der Hypophyse oder des Hypophysenstiels

Prader-Willi-Syndrom (PWS) (ehemals Prader-Labhart-Willi-Syndrom) (Prävalenz 1:12.500 Individuen)

Kongenitale Störung der GnRH-Sekretion

Kongenitale Nebennierenhypoplasie mit hypogonadotropem Hypo­gonadismus (Prävalenz 1:12.500 Individuen)

X-chromosomal rezessive Erkrankung, in der Mehrzahl der Patienten verursacht durch DAX1-Genmutationen

Pasqualini-Syndrom

Isolierter LH-Mangel

Tabelle 3: Klinische Symptome und Anzeichen, die für einen Androgenmangel sprechen

Klinische Symptome:

Reduziertes Hodenvolumen

Männliche Infertilität

Verminderte Körperbehaarung

Gynäkomastie

Rückgang von fettfreier Körpermasse und Muskelstärke

Viszerales Übergewicht

Metabolisches Syndrom

Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes mellitus

Rückgang der Knochenmineraldichte (Osteoporose) mit Frakturen bei geringem Trauma

Milde Anämie

Sexuelle Symptome:

Verminderte sexuelle Lust und sexuelle Aktivität

Erektile Dysfunktion

Abnahme nächtlicher Erektionen in Häufigkeit und Ausprägung

Kognitive und psychovegetative Symptome:

Hitzewallungen

Stimmungsschwankungen, Erschöpfung und Aggressivität

Schlafstörungen

Depression

Verminderte kognitive Funktion

Tabelle 4: Anzeichen und Symptome, die einen präpubertär einsetzenden Hypogonadismus nahe legen

Verzögerte Pubertät

Kleine Hoden

Hodenhochstand

Gynäkomastie

Hohe Stimmlage

Nicht geschlossene Epiphysenfugen

Lineare Wachstumskurve bis zum Erwachsenenalter

Eunuchoider Habitus

Spärliche Körper-/Gesichtsbehaarung

Infertilität

Geringe Knochenmasse

Sarkopenie

Vermindertes Sexualverlangen/sexuelle Aktivität

Tabelle 5: Hauptindikationen für eine Testosteronbehandlung

Verzögerte Pubertät (konstitutionelle oder kongenitale Formen [HH, Kallmann-Syndrom])

Klinefelter-Syndrom mit Hypogonadismus

Sexuelle Dysfunktion und niedriges Testosteron

Geringe Knochenmasse bei Hypogonadismus

Erwachsene Männer mit niedrigem Testosteron und möglichst mehreren Anzeichen und Symptomen eines Hypogonadismus nach erfolgloser Behandlung von Übergewicht und Komorbiditäten (aufgeführt in Tab. 3)

Hypopituitarismus

Testikuläre Dysfunktionen und Hypogonadismus

Typ-2-Diabetes mellitus mit Hypogonadismus

Tabelle 6: Kontraindikationen gegen eine Testosteronbehandlung

Lokal fortgeschrittenes oder metastasierendes Prostatakarzinom

Männliches Mammakarzinom

Männer mit aktivem Kinderwunsch

Hämatokrit > 0,54 

Schwere chronische Herzschwäche/Klasse IV der New York Heart Association (NYHA)

Tabelle 7: Testosteronpräparate für die Ersatztherapie

Rezeptur

Verabreichung

Vorteile

Nachteile

Oral; 2–6 Kapseln alle 6 h

Absorption durch das lymphatische System mit nachfolgender Reduktion der Leberbeteiligung.

Variable Testosteronspiegel oberhalb und unterhalb des mittleren Bereichs [107]. Mehrere Dosierungen täglich ­erforderlich bei gleichzeitiger Aufnahme fetthaltiger Nahrung.

Testosteroncypionat

Intramuskulär; eine Injektion alle 2–3 Wochen

Kurzwirkendes Präparat, das im Falle des Einsetzens von Nebenwirkungen einen raschen Entzug erlaubt.

Mögliche Fluktuation der Testosteron-spiegel [111].

Testosteronenanthat

Intramuskulär; eine Injektion alle 2–3 Wochen

Kurzwirkendes Präparat, das im Falle des Einsetzens von Nebenwirkungen einen raschen Entzug erlaubt.

Fluktuation der Testosteronspiegel [110, 111].

Testosteronundecanoat

Intramuskulär; eine Injektion alle 10–14 Wochen

Gleichbleibende Testosteronspiegel ohne Fluktuation.

Langwirkendes Präparat, das im Falle des Einsetzens von Nebenwirkungen keinen Entzug ermöglicht [112].

Transdermales Testosteron

Gel; tägliche Applikation

Gleichbleibende Testosteronspiegel ohne Fluktuation.

Risiko einer Übertragung auf andere Personen [113, 114].

Subdermale Depots

Subdermales Implantat
alle 5–7 Monate

Lange Wirksamkeit und konstanter Serum-Testosteronspiegel.

Risiko von Infektion und Extrusion der Implantate [107, 125, 126].


 
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